BARFen – Gefahr für Tier und Mensch?

Eine neue Studie der Universität Zürich sorgt für Wirbel in der Barferszene, wonach BARFen gefährlich für Mensch und Tier ist. Wir haben uns das mal angeschaut.

Hunde sind der beste Freund des Menschen. Bereits früh domestiziert stand der Haushund (Canis lupus familiaris) lange als Arbeitstier im Vordergrund. Mittlerweile sind Hunde als Haustiere mitten in Familien und Haushalten angekommen und erhalten – neben deutlich mehr Aufmerksamkeit – auch hochwertigeres Futter.

Die Rückkehr zur Rohfleischfütterung – das BARFen – wird als echte Alternative gefeiert. Doch kann BARF diesem Anspruch in der Praxis tatsächlich gerecht werden?

BARF für Hunde: Was bedeutet das eigentlich?

BARF wurde in der Vergangenheit mit verschiedenen Bedeutungen belegt. Neben Born-Again Raw Feeders oder Bones And Raw Foods taucht in der Literatur auch Biologically appropriate raw food als Deutung auf.

Im Kern zielt BARF auf eine Rohfleischfütterung nach Beutetierkonzept ab, die sich wesentlich an der Ernährung von Wolf und Wildhunden orientiert. Gefüttert werden unter anderem Muskelfleisch, Innereien und Knochen von Schlachttieren.

Hunde BARFen – Die Vorteile

Individuelle Zusammenstellung des Futters
Der größte Vorteil liegt sicherlich darin, dass man die Rationen des Hundes selbst zusammenstellen kann und daher genau weiß, was im Futternapf landet. Gerade für Hunde, die eine Allergie oder eine andere Erkrankung entwickelt haben, ist BARF ideal, weil man bei der Futterzusammenstellung die unverträglichen Bestandteile einfach weglässt.
Doch Vorsicht! Bei einem Fertigbarf-Menü geht der Vorteil der individuellen Zusammenstellung natürlich wieder verloren.

Naturbelassenheit
Oft wird BARF mit „naturnah“ in Verbindung gebracht. Es wird nichts erhitzt, alles soll möglichst naturbelassen sein, nichts Künstliches soll zugesetzt werden. Durch den Verzicht auf Erhitzung werden möglichst viele Nährstoffe in den Nahrungsmitteln erhalten, sodass es nicht nötig ist, sie durch künstliche Nährstoffe zu ersetzen. Auch die Orientierung am Wolf suggeriert hier eine gewisse Natürlichkeit, da der Wolf ein Tier ist, das in der Wildnis lebt.

Bessere Futterverwertung
Verdaulichkeit meint, wie viel der Verdauungstrakt von einem Futter tatsächlich verwertet. Je höher die Verdaulichkeit, desto effizienter wird das Futter vom Organismus genutzt. Bei Trockenfutter liegt die Verdaulichkeit bei 85 bis 90 Prozent. Stellt man Rationen selber aus frischen Nahrungsmitteln zusammen, liegt die Verdaulichkeit bei über 90 Prozent. Rohes Fleisch hat eine Verdaulichkeit von 92 Prozent, erhitztes Fleisch ist zu etwa 90 Prozent verdaulich, dieser Unterschied ist allerdings marginal.

Hunde BARFen – Die Nachteile

Keimbelastung
Rohes Fleisch ist häufig mit Keimen belastet, die pathogen wirken können. Viele Hundehalter glauben, für den Hund wäre das nicht so relevant, weil die Magensäure des Hundes die Keime abtöten würde. Das ist jedoch nicht ganz richtig, da es dabei auch auf die Art der Keime ankommt. Eine Belastung mit Clostridien z. B. kann dazu führen, dass im Darm vermehrt Giftstoffe gebildet werden, die zu einer Leberbelastung führen können.
Hunde sind nicht so empfindlich wie Menschen, trotzdem können auch sie durchaus erkranken, oder sie scheiden die Keime aus, wodurch sie zur Infektionsquelle für andere Tiere oder Menschen werden. Hygiene sollte bei der Fütterung von rohem Fleisch daher das A und O sein.

Unausgewogene Nährstoffversorgung
Unterschätzt wird von Haltern auch die Tatsache, dass BARFen keineswegs automatisch die gesündeste aller Fütterungsvarianten ist. Unerfahrenen Haltern fällt es nicht selten schwer, den wirklichen Bedarf der Tiere zu berechnen. Hier ist etwa zu beachten, dass:

  • sich in einzelnen Lebensphasen der Bedarf ändert
  • sich einzelne Inhaltsstoffe gegenseitig beeinflussen

Beispielsweise ist bekannt, dass die Anwesenheit bestimmter Inhaltsstoffe die Aufnahme von Mineralstoffen hemmt. Bezüglich der Lebensphasen gilt zudem folgender Grundsatz: Heranwachsende Hunde benötigen eine andere Futterzusammensetzung als alte Tiere. Zu viel Energie kann Wachstumsstörungen verursachen. Gleiches gilt für eine mangelhafte Versorgung mit Mineralstoffen.
Sowohl bei kommerziellen Barf-Menüs als auch bei selber zusammengestellten Barf-Rationen kommt es immer wieder zu Mängeln oder auch Überversorgung mit Nährstoffen. Beides kann sich langfristig negativ auf die Gesundheit des Hundes auswirken. Dem lässt sich auch durch regelmäßig erstellte Blutuntersuchungen nicht entgegenwirken, da ein Blutbild nicht die tatsächliche Versorgung mit Nährstoffen widerspiegelt.
Um zu überprüfen, ob der Hund mit der Barf-Ration gut versorgt ist, eignet sich am besten eine Rationsüberprüfung vom Fachmann.

Der ökologische Pfotenabdruck
Umweltschutz wird aktuell großgeschrieben, Klimaschutz ist wichtig. Die heute praktizierte Massentierhaltung, die Grundlage unseres hohen Fleischkonsums ist, geht mit großer Umweltbelastung einher.
Einer Untersuchung zufolge gehen 64 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr auf den Fleischkonsum der Haustiere zurück. Der Fleischanteil beim Barfen liegt deutlich höher, als tatsächlich benötigt.

Fazit: BARF – Der Hund ist kein Wolf

BARFen ist zum Trend beim Hundefutter in den vergangenen Jahren geworden. Dahinter steht der Wunsch, den Hund gesund und natürlich zu ernähren. Allerdings ist der Blick auf wildlebende Verwandte wie den Wolf ein falscher Ansatz.
Der Grund: Hund und Wolf haben sich im Stoffwechsel voneinander entfernt. Dies betrifft auch die Anpassung an Kohlenhydrate im Futter. BARFer müssen diese Tatsache berücksichtigen und den Speiseplan des Tieres entsprechend anpassen.
Darüber hinaus hat klar zu sein, welche Risiken sich aus dem BARFen ergeben können – für alle Beteiligten. Es ist sicher kein Fehler, professionellen Rat bei der Erstellung des Futterplans in Anspruch zu nehmen. Mittlerweile haben sich diverse Tierärzte auf die Berechnung und Erstellung von Ernährungsplänen für Hund spezialisiert.

Mit freundlicher Unterstützung von „Partner Hund“.

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