Bürger setzen Zeichen für mehr Solidarität

Während auf dem Marktplatz am Denkmal wie jede Woche gegen die Coronamaßnahmen demonstriert wird, trafen sich heute erstmals Bürger, Gewerbetreibende, Ärzte, sowie Stadträte der Fraktionen CDU, SPD, FBM, BSH, der LINKEN, sowie Bürgermeister Dirk Fuhlert am Saigertor um ein Zeichen zu setzen für mehr Solidarität in der Coronazeit und in Gedenken der Hettstedter:innen die mit oder an Covid-19 verstorben sind. Aktuell 104. Alle anwesenden Fraktionen begrüßten die Organisation einer solchen Veranstaltung.

Als der Protestzug gegen die Coronamaßnahmen vorbeizog, drehten sich alle Teilnehmer der Versammlung am Saigertor demonstrativ um und zeigten so, im stillen Protest, was man von der Demonstration gegen die Coronamaßnahmen hält.
Es kam zu keinen Zwischenfällen. Beide Veranstaltungen wurden durch ein massives Polizeiaufgebot abgesichert.

Pressemitteilung der Organisatorin Steffi Goldschmidt

“Lasst uns innehalten und der Verstorbenen gedenken, lasst uns ihren Angehörigen unser tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken und in einer Zeit, welche uns mehr denn je zum Abstand zwingt, füreinander da sein. Viele der Hinterbliebenen konnten keinen Abschied nehmen oder sind in ihrer Trauer allein.

Wir gedenken all derer, die aufgrund von Isolation einen ohne Beistand einsamen und teilweise qualvollen Tod gestorben sind. Wir möchten den Hinterbliebenen sagen: Ihr seid ganz sicher nicht allein, wir trauern mit Euch, gedenken heute gemeinsam eurer Familienangehörigen. Deutschlandweit sind bis heute 83.276 Menschen an oder mit Covid verstorben, allein in unserer Stadt sind es 104 Einzelschicksale (Stand 30.04.2021 ). Lasst uns nicht vergessen, wieviel Leid und Trauer dies bei den Hinterbliebenen ausgelöst hat.

Bitte lasst nicht zu, dass unsere Gesellschaft immer weiter auseinander triftet, dass verbale Anschuldigungen mittlerweile jeden und alle treffen können, Sehuldzuweisungen fast ausschließlich der Politik gelten. Sicherlich hat die Regierung in vielen Dingen anders entschieden, als wir es als Gesellschaft erwartet haben. Die scheinbar willkürliche Schließung und Öffnung von Geschäften, Dienstleistungsanbietern, Kultur- und Sporteinrichtungen und Gastronomien kann und muss hinterfragt und diskutiert werden dürfen.

Doch bleibt trotz aller Coronaermüdungen fair im Umgang mit unseren Mitmenschen. Die Gesellschaft möchte einen Weg heraus aus der Pandemie, halten wir uns gemeinsam an Regeln, nehmen Rücksicht auf Andere.

Wir alle möchten wieder dieses unbeschwerte Leben, einen Abend mit Freunden in der Lieblingsgaststätte, unbeschwert einkaufen, ins Theater, den Zoo. Eltern möchten ihre Kinder wieder in die Schule geben, wir möchten Stadtfeste und Konzerte erleben und mehr denn je den Händler vor Ort besuchen und unterstützen. Wenn jeder Einzelne sich und andere für absehbare Zeit schützt, wird all das wieder möglich sein.

Lasst das Lied „Freiheit” für das stehen, wofür es wirklich von Marius Müller Westernhagen geschrieben wurde. Dieser Künstler hat Auszeichnungen für sein soziales Engagement und gegen Rechtsextremismus erhalten, steht für Flüchtlingshilfe und beklagt eine Entpolitisierung, in der die Menschen zu dumm für die Demokratie geworden sind.

Er wirbt für Loyalität und Verantwortung gegenüber den Anderen, für ein miteinander innerhalb einer Gesellschaft. Deshalb gehört dieses Lied ganz und gar nicht in einen Demonstrationszug mit deutscher Reichsfahne an der Spitze.”

(Red/André Kosig)

Foto: Redaktionsnetzwerk Hettstedt Live

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