Deutsch und Mathe wird reduziert – Resterampe Sekundarschule?

Weniger Mathe, weniger Deutsch, weniger Englisch. An Sachsen-Anhalts Sekundarschulen kann das ab dem kommenden Schuljahr Wirklichkeit werden. Schülerinnen und Schüler, die den Haupt- oder Realschulabschluss machen wollen, haben dann unter Umständen in der neunten und zehnten Klasse je eine Wochenstunde Mathe und Deutsch weniger, in den Klassen sechs bis acht zwei Stunden weniger Englisch. Am Mittwoch war die Änderung der sogenannten Stundentafel Thema im Landtag.

Die Kritik an der Änderung der Stundentafel ist harsch. Der Minister mache aus der Sekundarschule eine Resterampe, fahre die Schulform an die Wand, heißt es. Über alle Fraktionen hinweg kommt Kritik am Vorgehen des Ministers, nur aus seiner CDU-Fraktion gibt es Unterstützung.

Warum gekürzt werden soll

Notwendig wird die Kürzung der sogenannten Stundentafel, weil es an Lehrerinnen und Lehrern fehlt. Trotz Dauerausschreibung, Senkung der Anforderungen an Bewerber und bezahlte Mehrarbeit sind es einfach zu wenige. Bildungsminister Marco Tullner von der CDU: „Wir müssen uns diesen Realitäten stellen.“ Man müsse die Phase, bis neue Lehrer von der Ausbildung in die Schulen kommen, so überbrücken, dass der Bildungserfolg gesichert sei und dass die Anforderungen der Unternehmen an Qualität und Inhalte des Unterrichts erfüllt werden können.

Ein Stundenplan

Sachsen überarbeitet Stundentafeln
Das sei keine Maßnahme, die ihm leicht falle, aber eine notwendige und verantwortbare, sagt der Minister weiter. Immerhin halte sich Sachsen-Anhalt weiter an die Stundenvorgaben der Kultusministerkonferenz, liege sogar leicht darüber. Entwickelt wurde die Änderung der Stundentafel unter anderem zusammen mit der Schulaufsicht, Schulleiterinnen und -leitern. Die Praxisnähe sei ihm wichtig gewesen, unterstreicht der Minister.

Lob aus der Praxis

Aus der Praxis kommt auch Enno Kayser. Er leitet die Sekundarschule „am Petersberg“ in Wallwitz bei Halle. Rund 500 Schülerinnen und Schüler gehen hier zur Schule.

Der Erlass sei hilfreich, weil er Flexibilität bringe, so Kayser: „Es ist nicht mehr ganz starr vorgeschrieben, in welcher Klassenstufe welche Menge an Stunden unterrichtet werden muss.“ Es sei nunmal so, dass die Lehrerzahl nicht ausreiche. Kayser erklärt: „Ich kann mir das jetzt selber besser organisieren und gucken, welche Lehrer habe ich und welche Lehrer kann ich demzufolge auch einsetzen.“

Kritik von der Gewerkschaft

Eva Gerth von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft schüttelt dagegen den Kopf. Eine Bankrotterklärung sei das. Zumal es aus ihrer Sicht noch einige Möglichkeiten gäbe, um den Lehrermangel zu mildern.

Der Minister zeige sich aber beratungsresistent: „Wir schlagen als GEW schon sehr lange Arbeitszeitkonten vor. Dass Arbeitskräfte jetzt mehr arbeiten – aber die Zeit für sich selbst bunkern können und vielleicht ein bisschen eher in den Ruhestand gehen.“ Man müsse sich gemeinsam an einen Tisch setzen, mahnt die Gewerkschafterin. Das sei bisher viel zu selten passiert.

MDR.de von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Stand: 09. Juli 2020, 08:39 Uhr

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