Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-App

Nach wochenlanger Verspätung erscheint am Dienstag die Corona-Warn-App der Bundesregierung. Schon jetzt kann der Programmcode von jedem eingesehen werden.Die Begeisterung der Deutschen für eine Corona-App ist bislang aber verhalten: Laut ARD-Deutschlandtrend würden nur 42 Prozent der Deutschen eine Corona-Tracing-App nutzen, fast ebenso viele (39 Prozent) sprachen sich dagegen aus.
Grund dafür dürften auch offene Fragen bei den Bürgern sein. Was bringt die App? Kann sie dem Staat bei einer Überwachung helfen? Und können Cyberkriminelle das Programm missbrauchen?

Für wen ist die App geeignet?

Sinn und Zweck der App ist es, nachzuvollziehen, mit wem ein Covid-19-Patient Kontakt hatte, bevor er positiv getestet wurde und sich in Quarantäne begeben hat. Bislang müssen die Gesundheitsämter mögliche Kontaktpersonen bei den Betroffenen erfragen. Den Sitznachbarn in der U-Bahn oder die Personen, die im Supermarkt etwas zu dicht in derselben Schlange standen, kann man so aber nicht identifizieren, weil der Betroffene diese schlicht nicht kennt.Bei flüchtigen Begegnungen, die weniger als 15 Minuten dauern, besteht kaum eine Ansteckungsgefahr. Doch wer einen häufigen und engeren Kontakt zu Fremden hat, könnte von der App profitieren – vorausgesetzt die Kontaktpersonen nutzen die App ebenfalls.Per Bluetooth-Technologie werden Abstand und Dauer des Kontakts erfasst. Stellt die App ein erhöhtes Infektionsrisiko fest, können die Betroffenen einen Test anfordern. Die Kosten dafür tragen die Krankenkassen. Dieselben Regeln gelten auch für Nichtnutzer der App: Grundsätzlich können sich jetzt alle Menschen testen lassen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sind, auch wenn sie noch keine Symptome zeigen. Zu Beginn der Pandemie galten strengere Testkriterien.

Wie funktioniert die App?

Die Smartphone-App vermerkt, wer sich wann ausreichend lang in der Nähe eines anderen App-Nutzers aufgehalten hat. Die Daten werden zwei Wochen gespeichert. Sollte später eine Person positiv auf Covid-19 getestet werden, können alle Kontaktpersonen gewarnt werden, sodass sich diese ebenfalls testen lassen können. Das könnte Infektionsketten möglichst effektiv unterbrechen, so die Hoffnung.Eine solche App mag bedrohlich klingen. Doch bei der Corona-App handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Tracking-App. Das heißt, die Anwendung weiß zu keinem Zeitpunkt, wer die App benutzt und wo sich die Person aufhält. Damit werden von vornherein keine persönlichen Daten erzeugt, die dann in falsche Hände geraten könnten.Um das zu bewerkstelligen, nutzt die App die Nahfunktechnik Bluetooth Low Energy, eine energiesparende Variante von Bluetooth. Damit erkennen die Handys, wenn sich zwei App-Nutzer lange und recht nah beieinander aufhalten. Tritt ein solcher Fall ein, wird nur eine anonymisierte, regelmäßig wechselnde Nummer gespeichert – und zwar lokal auf dem Handy. Einmal am Tag ruft das Gerät eine Liste mit den anonymen Gerätenummern ab, für die eine Covid-19-Infektion bestätigt wurde. Passt eine Nummer zu der gespeicherten Kontaktliste auf dem Handy, wird der Nutzer gewarnt und gebeten, sich testen zu lassen.Im Detail ist das etwas komplexer, damit tatsächlich gewährleistet wird, dass sich keine persönlichen Informationen aus diesen Daten ableiten lassen. Bislang beurteilten Experten das System als datenschutzfreundlich.

Unter welchen Umständen erhalten App-Nutzer eine Warnung?

Gewarnt wird erst, wenn mehrere Faktoren auf eine mögliche Übertragung hindeuten. Dabei kommt es nicht nur auf den Abstand an, sondern auch auf die Dauer des Kontakts.Voraussetzung für eine Benachrichtigung ist aber, dass die Infektion zuvor durch einen Labortest bestätigt wurde und dass der Infizierte den positiven Test von sich aus in der App notiert. Es gibt keine zentrale Stelle, die das für ihn übernimmt oder kontrolliert.Gemessen werden nur Abstände und Zeit, nicht aber die Bedingungen einer Begegnung. Die Bluetooth-Messung macht keinen Unterschied zwischen draußen und drinnen. Auch Glas- oder Plastikscheiben oder dünne Trennwände durchdringt das Signal. Es könnte also sein, dass Menschen eine Warnmeldung erhalten, obwohl sie geschützt waren.

Kann man mit der App überwachen, wo ich mich aufhalte?

Nein. Die Tracing-App ist bewusst so entwickelt worden, dass sich daraus keine Informationen über den Nutzer gewinnen lassen (siehe Grafik). Deshalb erhebt die App keine Standortdaten, etwa via GPS, WLAN-Netz oder nächstliegenden Funkzellen. Denn wo sich der Nutzer befindet, ist für eine Kontaktnachverfolgung unerheblich. Wichtig ist nur zu wissen, ob sich ein Nutzer über einen längeren Zeitraum in der Nähe einer Person aufgehalten hat, die zu diesem Zeitpunkt an Covid-19 erkrankt ist.Da zu keinem Zeitpunkt Standortdaten erhoben werden, können diese auch nicht von Hackern erbeutet oder von Sicherheitsbehörden missbraucht werden. Zudem sind auch die anonymen, täglich wechselnden Identifikationsnummern so angelegt, dass sich damit keinerlei Rückschlüsse auf das zugehörige Gerät ziehen lassen.Die Angst davor, dass überwacht oder veröffentlicht wird, mit wem sich Nutzer der App treffen, ist demnach unbegründet – es lässt sich nicht aus den Daten herauslesen.

Wie kann ich sicher sein, dass die App nicht dennoch unerlaubt Daten sammelt?

Im Vorfeld haben SAP und Deutsche Telekom den kompletten Quellcode der App für alle einsehbar veröffentlicht. Der Quellcode ist die Bauanleitung einer solchen App – darin können Entwickler nachvollziehen, was die App tun kann. Bislang waren aus der stets kritischen Community keine nennenswerten Bedenken zu hören. Zudem machen Google und Apple überdies strenge Auflagen zur Funktionsweise der App. GPS-Daten und Adressbücher etwa sind absolut tabu! Wer in die App-Stores aufgenommen werden will, muss sich daran halten.

Was passiert, wenn ich die App nicht nutze?

Für Menschen, die die App nicht nutzen, sollen – soweit bekannt – keine weiteren Nachteile entstehen. Denn parallel zu dem Contact-Tracing per App wird auch die analoge Nachverfolgung weiterbetrieben. Wenn sich jemand mit dem Coronavirus infiziert hat, wird er vom Gesundheitsamt aufgefordert, eine Liste aller Kontakte der letzten Tage auszuhändigen. Die betroffenen Personen werden dann von den Behördenmitarbeitern benachrichtigt. Das kann allerdings etwas länger dauern und kann keine Zufallsbegegnungen mit Unbekannten erfassen.

Bringt es Nachteile, die App zu installieren?

Dadurch dass die Bluetooth-Funktion ständig aktiv sein muss, dürfte sich der Akkuverbrauch des Handys leicht erhöhen. Wie sehr das tatsächlich passiert, müssen aber Tests mit der App zeigen.Auch andere, psychologische Effekte sind denkbar. Etwa, dass sich Menschen zu sehr auf die App verlassen, leichtsinnig werden und andere Schutzmaßnahmen nicht mehr einhalten. Dabei gibt es noch lange keine Entwarnung, wenn man noch keine Push-Mitteilung erhalten hat. Es kann durchaus sein, dass man, ohne es zu wissen, mit einem Infizierten in Kontakt war. Nur hatte der unter anderem die App vielleicht nicht installiert oder sie nicht richtig genutzt oder die Entfernungsmessung hat nicht richtig funktioniert. Die App bietet keinen Schutz vor dem Coronavirus.

Was passiert, wenn jemand vergisst, sich in der App als infiziert zu melden?

In einem solchen Fall bleibt immer noch die analoge Kontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter. Covid-19 ist eine meldepflichtige Krankheit. Die Daten der Betroffenen werden zum Seuchenschutz von den zuständigen Behörden erfasst. Auch ohne App.

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