Druckereiverein: Tiegel soll tingeln

Steffen Geilert: Wir drucken künftig auch auf Volksfesten

Hettstedt. Am heutigen Donnerstag kann der Verein „Alte Hettstedter Druckerei Heise“ seinen Drucktiegel „Monopol“ mitsamt einem großen Anhänger von der Hettstedter Firma Posselt Maschinenbau und Spezialschweißerei abholen. Die Fachleute haben den Tiegel repariert und einen zweiachsigen Pkw-Anhänger so umgebaut, dass die aus dem Jahr 1899 stammende Druckmaschine damit problemlos transportiert werden kann. Das wirklich Besondere: Der Tiegel soll künftig über die Volksfeste tingeln, so dass Interessierte an der auf dem Anhänger stehenden Maschine ihre Erinnerungsblätter selbst drucken können.

Die heute von Steffen Posselt geleitete Firma, die die ungewöhnlichen Arbeiten durchführte, befindet sich auf dem Hettstedter MKM-Gelände. Seit Gründung des Vereins „Alte Hettstedter Druckerei Heise“ am 15. Februar 2001 ist die Posselt GmbH treuer Verbündeter und Förderer des Druckereivereins und des historischen Handwerksbetriebes. Zu den Gründungsmitgliedern des Druckereivereins gehört Dipl.-Ing. Jochen Posselt. Ihm verdankt die Nachwelt im Grunde genommen die Rettung der historischen Drucktechnik. Bevor 2001 durch die Stadt Hettstedt, Arbeitsamt, KÖS Welfesholz und Druckereiverein die Sanierung des Handwerksbetriebes beginnen konnte, demontierten die Handwerker der Firma Posselt die Druckmaschinen, transportierten sie zu ihrer Werkhalle auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerkes und bauten sie dort wieder komplett zusammen.

Jochen Posselt damals: „Das sind tausende Einzelteile. Ohne Zeichnungen weiß selbst der pfiffigste Schlosser nach fünf oder sieben Jahren nicht mehr, wo genau welches Teil hingehört. Also wird alles sofort wieder zusammengebaut.“ Wer die Arbeiten begleitet hat, sah, welch riesiger Aufwand damit verbunden war. Dies alles geschah dank der Großzügigkeit der Firma Posselt absolut kostenlos für den Verein, der so kurz nach seiner Gründung weder materiell noch personell in der Lage war, eine derart komplexe und aufwändige Arbeit wahrzunehmen.

Nach der kompletten Sanierung des Druckereigebäudes in der Wilhelmstraße 2 a kamen ab dem Jahr 2005 die Druckmaschinen nach und nach wieder zurück – auch hier nicht ohne den riesigen Aufwand ihres Zerlegens, Transportierens und ihres Wiederaufbaus in den Räumen der Druckerei und Setzerei.

Im Laufe von 15 Jahren wurde die mehr als 100-jährige Ausstattung der Druckerei Heise weitgehend restauriert. Jährlich besuchen viele Menschen die Druckerei, wo sie an Führungen teilnehmen oder sich selbst an einem Drucktiegel ein Erinnerungsblatt herstellen können. Wie am vorigen Sonnabend, dem 22. April, als 45 ehemalige Absolventen der EOS Hettstedt „50 Jahre Abitur“ feierten, oder am Tag darauf, als zum „Tag der Industriekultur“ etwa 170 Besucher die Druckerei und den ebenfalls vom Druckereiverein betreuten benachbarten Molmeckturm besichtigen konnten.

Druckerei-Vereinsvorsitzender Steffen Geilert, der mit seiner Frau Sylvia momentan durch Asien reist, wird via Skype den Beginn eines neuen Kapitels des Hettstedter Druckereivereins verfolgen: Die Heimkehr des Monopol-Tiegels in die Wilhelmstraße nach mehrmonatiger Abwesenheit. Nachdem der Tiegel in die Druckerei zurückgekehrt sein wird, müssen die Druckereifreunde erst einmal das komplizierte Abladen der Maschine vom Anhänger und ihr Umsetzen erlernen. Anschließend wird der Tiegel gründlichst gereinigt, dann erfolgt Rostvorsorge, das Justieren der Technik und Vorbereiten zum Drucken.

Steffen Geilert kündigte an, dass der Tiegel 2017 noch zum Sachsen-Anhalt-Tag in der Lutherstadt Eisleben und beim Kirchentag im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums zum Einsatz kommen soll. Seine Premiere soll das Gespann nach den Worten von Geilerts langjährigem Vorgänger an der Vereinsspitze, Jochen Miche, jedoch in Hettstedt haben. Der Grund: „Dem Mut und Engagement von Bürgermeister Jürgen Lautenfeld und seinem Amtsnachfolger Danny Kavalier bei der Rettung dieses einst äußerst ruinösen Betriebes verdankt unser Land eine in Deutschland einmalige historische Druckerei. Und da ist als kleines Dankeschön die offizielle Inbetriebnahme dieses bemerkenswerten Gespanns durch das einstige oder heutige Stadtoberhaupt – oder noch besser: durch beide – vollkommen angemessen.“

Einen Termin dafür gibt es noch nicht, er wird aber rechtzeitig bekannt gegeben.

(JM/red)

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