Kinderfreundliche Kommune oder mal ganz anders denken

Seit einiger Zeit ist die „kinderfreundliche Kommune“ immer wieder Thema in der Kupferstadt. Braucht man ein Siegel, welches Kosten von mindestens 16.000 Euro verursacht, oder geht es auch anders?

Die Meinungen dazu gehen dabei weit auseinander. Von einem höheren Werbeeffekt für die Stadt, sowie bessere Chancen bei Fördermitteln, bis hin zu „am Ziel festhalten, aber vieles selbst umsetzen“. Fakt ist, alle Anstrengungen kosten Geld, Geld was die Kupferstadt nicht hat.

Sollte man nun am Ziel festhalten, oder Kosten auf sich nehmen für ein Siegel?

Neu denken.

Was man in der ganzen Diskussion vermisst ist der Umstand, dass eine „kinderfreundliche Kommune“ weit mehr zu bieten haben muss, als Angebote für Kinder und Jugendliche, Beratung, Rückzugsorte und Einrichtungen. Welcher Familie nutzt es, wenn die Kinder versorgt sind, aber um arbeiten zu können kilometerweit gependelt werden muss. Ist es nicht sinnvoller „familienfreundliche Kommune“ zu werden? Ok, dafür gibt es kein schickes Siegel, aber es kann die Abwanderung senken. Gut leben für die gesamte Familie, von Jung bis Alt. Weg von diesem Denken in Schubladen.

Sollte man nicht versuchen, anstatt Gewerbeflächen mit Solaranlagen zuzupflastern, lieber Industrie anzusiedeln? Gut, Hettstedt hat jetzt für produzierende Großindustrie nicht die optimale Verkehrsanbindung, liegt dafür aber zwischen zwei Autobahnen, die relativ schnell erreichbar sind. Zudem gibt es in der heutigen Zeit auch genug Industrie und Gewerbe, welche Standort-unabhängig arbeiten können. Dafür benötigt man keine Autobahn in der Nähe, aber Anreize für günstige Gewerbeflächen und entsprechenden Zugang zum Internet.

Jetzt werden wieder die Stimmen laut werden, dass wir keine Hochschulen in der Nähe haben. Im Zeitalter von Internet haben wir dies sehr wohl. Man muss nur wollen.

Hettstedts Silicon Valley? Vielleicht etwas hoch gegriffen, aber warum nicht. Wenn wir in Hettstedt was verändern wollen das von Jung bis Alt was geboten wird, fängt dies nicht nur bei guten Bedingungen für Kinder an, sondern bei besten Voraussetzungen für die Eltern in Verbindung mit umfangreichen Angeboten für Kinder und Jugendliche. Der Schlüssel ist und bleibt eine Neuausrichtung der Gewerbeflächen. In Hettstedt kann man an jeder Ecke Geld ausgeben, aber mit Arbeit um Geld zu verdienen, sieht es eher mäßig aus.

Neben den ganzen Räten, die man wiederbeleben will (Seniorenrat, wie Kinder- und Jugendrat), sollte unser Augenmerk klar definiert werden. Wollen wir die Abwanderung der Jugend weiter tatenlos hinnehmen, oder sollten wir Hettstedt neu denken? Der Kupferschieferbergbau hat damals zur großen Blüte Hettstedts beigetragen, doch diese Zeiten sind lange vorbei. Warum also nicht neu und groß denken und dafür Wege suchen Hettstedt wieder nach vorn zu bringen… zeitgemäß.

Lasst uns Hettstedt neu erfinden. Dies sollte das langfristige Ziel sein. Anreize schaffen für Unternehmen der Zukunft. StartUp Unternehmen anlocken und fördern, denn dort findet die Jugend auch Jobs, bleibt in Hettstedt und gründet hier auch eine Familie.

Hettstedt muss sich neu erfinden

Weg von der „kinderfreundlichen Kommune“ hin zur „familienfreundlichen Kommune“, denn nur diese hat Zukunft.

Da dies nicht von heute auf morgen realisierbar sein wird und es auch viele Steine aus dem Weg zu räumen gilt, sollte man genau schauen, was zukunftsträchtig ist. Nicht nur darauf verweisen, was wir mit unserem angespannten Haushalt nicht können, sondern was man mit vielleicht verrückten Ideen machen kann. Hettstedt muss sich neu erfinden!

 

Ein Kommentar von André Kosig (EDV von Hettstedt Live)

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