Ratskeller Hettstedt – Drohende Schließung erregt die Gemüter

Ratskeller Hettstedt

Drohende Schließung erregt die Gemüter

Die drohende Schließung des Ratskellers nach Kündigung durch die Stadtverwaltung vor einem Monat beschäftigt und empört immer mehr Menschen in der Wipperstadt. Täglich bekunden Gäste des Ratskellers den Betreibern ihr Unverständnis bezüglich des Handelns der Stadtverwaltung, ihre Sympathien und ihr Mitgefühl. Und täglich unterschreiben Leute auf den Listen der Kreisvereinigung der Partei Freie Wähler und fordern die Rücknahme der Kündigung durch die Stadt und die Modernisierung der Ratskellerküche. Dort fehlt eine zeitgemäße Be- und Entlüftungsanlage.

Solidarisch mit dem Ratskellerteam zeigen sich neben mehreren Geschäftsleuten rund um den Markt insbesondere die Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hagebaumarkts. Innerhalb von drei Tagen wurden dort mehr als 100 Unterstützerunterschriften für den Ratskeller gesammelt.

Halbe Million Euro für Entlüftung

Für den Einbau der Lüftungstechnik ist die Stadt als Vermieter des Objektes verantwortlich. Was die Kosten betrifft, ist die Rede von einer halben Million Euro. Zu einer solchen Investition sieht sich die Stadtverwaltung offenbar nicht in der Lage, also erfolgte Anfang Juni 2020 gewissermaßen vorsichtshalber die Kündigung des Mietvertrages zum Februar 2022.

Einen solchen Umgang mit den Ratskellerbetreibern kritisiert der Kreisvorsitzende der Freien Wähler Mansfeld-Südharz, Jens Diederichs. Er erinnert immer wieder daran, dass die Stadt Hettstedt im Mai, also einen Monat vor Kündigung des Ratskellers, etwa fünf Millionen Euro Kreisumlage zurückerhalten hat. „Zehn Prozent von dieser Summe zur Ertüchtigung der Küche, und niemand hätte das Betreiberpaar, die Familie Machatschek/Leißring, und ihre Angestellten mit der Kündigung überraschen müssen. Das ist überhaupt das nächste Unding: Offenbar hat niemand vorher mit den Mietern gesprochen. Sie ahnten nicht im Geringsten, was sie erwartet, im Gegenteil: Sie freuten sich seit dem vorigen Jahr, dass ihr Mietvertrag automatisch um weitere fünf Jahre verlängert worden war. Das hat sie ermutigt, im Januar dieses Jahres noch einmal kräftig zu investieren.“ Diederichs, Mitglied des Landtages, fragt sich allerdings, ob bei der Preisrecherche für die Be- und Entlüftungstechnik bereits alle Möglichkeiten der Kostenreduzierung ausgeschöpft worden sind.

Kritik an Bürgermeister

Schwere Kritik an der „Informationspolitik des Bürgermeisters“ wird inzwischen auch aus Reihen der CDU/BSH/Feuerwehr-Fraktion des Stadtrates Hettstedt laut. Fraktionsmitglied André Ulrich (Bürger schafft Hettstedt – BSH) erklärt auf der Homepage seiner Initiative, das Thema „Ratskeller“ sei stets nur in nicht öffentlichen Stadtratssitzungen behandelt worden. Bürgermeister Dirk Fuhlert (Freie Bürger Mitteldeutschland – FBM) habe die Stadträte in Fragen Ratskeller stets zum Schweigen verdonnert, selbst aber ohne Absprache mit irgendjemandem dieses Schweigen als Erster gebrochen, als er einem Fernsehsender hierzu ein Interview gab. Ulrich: Die Stadträte durften nicht über das Thema Ratskeller reden, „ohne sich in einer gewissen Weise strafbar zu machen“.

Stadtratssondersitzung gefordert

Bei einer außerordentlichen Beratung der CDU/BSH/Feuerwehr-Fraktion in dieser Woche drehte sich alles um die Schließung des Ratskellers. In Ergebnis der Sitzung hat sich die Fraktion darauf verständigt, eine Stadtratssondersitzung zu beantragen. Anliegen der Sondersitzung: Der Bürgermeister soll beauftragt werden, die Planungsleistungen zum Umbau des Ratskellers fortzusetzen, um diesen zukunftssicher als Speisegaststätte weiterhin nutzen zu können! Ulrich: „Damit kommt hoffentlich Bewegung in das Thema, über das wir Stadträte in der Vergangenheit nicht reden durften.“

Jochen Miche (msh-online.de) für Hettstedt Live

INFO

Am Freitag, 24. Juli, laden die Freien Wähler ab 17 Uhr zu einer Dialogrunde in den Ratskeller Hettstedt ein. Thema: „Ist der Ratskeller noch zu retten?“

Foto: J. Miche

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