So steht es momentan um Real – Online stark, Märkte sollen weg, Gespräche stocken

Für Außenstehende geht es bei Real scheinbar drunter und drüber. Erst die Nachricht, dass die Märkte an Redos verkauft werden, dann plötzlich startet Real das „realPro“ Programm.

Ja was denn nun?

Vorweg sei gesagt, dass die Metro Gruppe Real in zwei Unternehmen aufgegliedert hat. Zum einen sind da die Märkte, zum anderen das Web-Angebot Real.de. Beide Zweige sind eigenständig.

Und genau da, liegt der Knackpunkt.

Filialen sollen verkauft werden

Das war die Nachricht die alle aufschreckte. 277 Filialen deutschlandweit sollen verkauft werden und die Konkurrenz steht bereits in den Startlöchern. Doch da klemmt es inzwischen an allen Ecken und Enden. Wie das Handelsblatt am 16.11.2019 berichtet, sind die Verhandlungen ins stocken geraten.

Das was sich bei Metro und Real abspielt unter den Managern und Aktionären ist schlimmer als ein Spielcasino und das auf Kosten von 34.000 Menschen und ihren Familien“, klagen die Autoren aus dem Umfeld des Betriebsrats. „Wir wollen endlich Klarheit und wissen, wie es weiter geht“, fordern sie. Die Familien der Mitarbeiter litten unter dem Druck der Ungewissheit, ob sie im Jahr 2020 ihre Arbeitsplätze noch haben werden oder nicht.

Doch die Hoffnung ist gering, dass die unendliche Geschichte um den geplanten Verkauf rasch zu einem guten Ende kommt. Vor fast 14 Monaten hat Olaf Koch, der Chef des Handelskonzerns, die angeschlagene Tochter aktiv zum Verkauf gestellt. Seit einem halben Jahr befindet sich Metro in exklusiven Verhandlungen mit dem Immobilieninvestor Redos. Doch von einem unterschriftsreifen Vertrag sind die Beteiligten immer noch weit entfernt – trotz aller gegenteiligen Beteuerungen.

Ursprünglich wollte Koch sogar schon im Frühjahr zu einem Abschluss kommen, doch die Angelegenheit entpuppte sich als viel komplexer als gedacht. „Mit diesen Ansagen hat er sich unnötig selbst unter Druck gesetzt“, heißt es in der Branche. „Die Verhandlungen mit Redos werden mit Hochdruck fortgeführt, um diese möglichst in den kommenden Wochen abzuschließen“, heißt es jetzt vage von Metro-Seite. Redos will auf Anfrage überhaupt keinen möglichen Zeitpunkt nennen.

Mittlerweile verliert selbst die Geschäftsführung von Real die Geduld mit dem Eigentümer. „Die Verhandlungen über einen Verkauf von Real ziehen sich hin“, klagt Real-Geschäftsführer Patrick Müller-Sarmiento im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Vor allem im Sinne unser Mitarbeiter wäre es wünschenswert, dass hier rasch ein Ergebnis erzielt werden kann“, sagt er.

Unsichere Zukunft

Inzwischen tauchte ein weiteres Detail auf, das Fragen über die Zukunft von Real aufwirft. So heißt es in Verhandlungskreisen, Redos und seine Partner ECE und Morgan Stanley hätten bereits angekündigt, dass sie nicht beabsichtigen, langfristig als Investor an der Seite der Real-Kerngesellschaft zu stehen, sondern ihre Anteile schon nach zwei Jahren an einen neuen Investor weiterreichen wollen.

Online geht es vorwärts

Den Webshop real.de hat das Unternehmen zu einem Marktplatz ausgebaut, auf dem auch andere Händler ihre Waren anbieten können. Die Umsätze über diese Plattform wachsen rasant und sind im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 608 Millionen Euro gestiegen. Gut angelaufen ist auch eine Allianz mit drei weiteren Onlinemarktplätzen aus Frankreich, Italien und Rumänien. Dadurch hat real.de in kürzester Zeit 200 zusätzliche Händler gewonnen.
Das Netzwerk bietet den insgesamt rund 30.000 aktiven Händlern der Marktplätze Zugang zu mehr als 230 Millionen potentiellen Kunden in Europa.

Genau in dieser Zeit und für vorerst alle Geschäftsbereiche (Filialen und Real.de), startete nun das „realPro“ Programm, was bis zu 20% Rabatt verspricht, um Kunden noch enger an die Marke Real zu binden.

(red, handelsblatt, real GmbH)

Related posts