Ups da war die Mauer weg – Wie Schabowski aus versehen die Mauer eingerissen hat

„Unverzüglich“, „Nach meinem Kenntnisstand sofort.“ diese Worte sind noch vielen im Ohre und haben Geschichte geschrieben.

Als am 9. November 1989 Günther Schabowski vor die Kameras trat und eine hastig berufene Pressekonferenz leiten sollte, glaubte niemand daran, dass etwas spektakuläres passieren würde. Es sollte „lediglich“ um gelockerte Reisebestimmungen (Ausgabe von Visa) gehen, die ab dem 10. November 1989 gelten sollten. Doch genau diesen Fakt übersah Schabowski und sorgte damit für den Fall der Mauer.

Hier die originalen Dokumente von 1989 inklusive dem Notizzettel von Schabowski.

1. Der Notizzettel

Eine klare Struktur hatte SED-Politbüromitglied Günter Schabowski sich für die Pressekonferenz auf seinen Zettel geschrieben. Sie sollte vor den Abendnachrichten um 19 Uhr enden – die Reiseregelung des Ministerrats wollte er „kurz vor Schluß“ verlesen.

2. Die Reiseregelung

„Ab sofort“ gelte die Reiseregelung, las Schabowski wörtlich aus der Vorlage für den Ministerrat vor.

Er übersah, was auf der nächsten Seite stand: Der Beschluss zur Ausgabe von Visa sollte erst am 10. November über die staatliche Nachrichtenagentur ADN veröffentlicht werden.

„Zeitweilige Übergangsregelung für Reisen und ständige Ausreise aus der DDR“ steht auf dem Deckblatt für die „Beschlußvorlage“, die die Mitglieder des Ministerrats bis zum 9. November um 18 Uhr im Umlaufverfahren bestätigen sollten. Es folgt die Vorlage mit der zwei Seiten langen Reiseregelung und ein Entwurf für die ADN-Pressemitteilung.

(red / Der Tagesspiegel)

Fotos: Haus der Geschichte / Stiftung Haus der Geschichte/ BStU / Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen

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